Sensibilisierung der Migrationsbevölkerung
Durchgeführt von: GGG Ausländerberatung, Ausländerdienst Baselland / ald
Im Rahmen des Projektes „Sensibilisierung der Migrationsbevölkerung zum Thema Zwangsheirat“ setzen sich die GGG Ausländerberatung und der Ausländerdienst Baselland / ald dafür ein, in der Schweiz lebende Personen vor Zwangsheirat zu schützen.
Durch zielgruppenspezifische Informations- und Sensibilisierungsarbeit werden Betroffene und potentiell Betroffene darin unterstützt, sich gegen Zwangsehen zur Wehr zu setzen. Um dies zu erreichen, wurde eine jugendgerechte Mini-Broschüre im Taschenformat entwickelt, die sich an potenziell betroffene Jugendliche richtet. Diese Broschüre informiert die Jugendlichen über ihre Rechte und enthält eine Liste von Beratungsstellen, bei welchen sie Unterstützung bekommen. Zudem wurde ein Informationsblatt für Eltern von potenziell betroffenen Jugendlichen erarbeitet, welches die schweizerische Rechtslage zum Thema Ehe und Partnerschaft erklärt und zu einem vermittelnden Gespräch mit einer Liste von Beratungsstellen einlädt. Beide Flyer sind in zehn Sprachen erhältlich, werden breit verteilt und können bei uns bestellt werden. Somit orientieren wir sowohl die Jugendlichen als auch deren Eltern zielgruppenspezifisch über die Rechtssituation in der Schweiz und liefern eine Übersicht von Beratungsangeboten sowie Anlaufstellen.
Informationsblatt für Eltern Deutsch
Bestellschein Informationsmaterial
Um ein breites Publkum wie potentiell betroffene Jugendliche sowie deren Eltern und Beratungsstellen für das Thema "Zwangsheirat " zu sensibilisieren, produzierten wir in enger Zusammenarbeit mit zwangsheirat.ch einen zwanzigminütigen Film. Der Dokumentarfilm "Nicht verliebt und trotzdem verheiratet?" macht sowohl die Komplexität als auch die Vielschichtigkeit des Phänomens Zwangsheirat deutlich. Anhand von verschiedenen Beispielen werden unterschiedliche Vorstellungen zu den Themen Liebe, Partnerschaft und Ehe gezeigt:
Evren, ein Mann kurdisch-türkischer Herkunft, und Merdita, eine Frau mit mazedonischen Wurzeln, waren selbst von Zwangsheirat betroffen und erzählen Teile ihrer Lebensgeschichte. Dabei gehen sie auch auf das Verhältnis zu ihren Eltern ein. Denn die Eltern machen sich oft Sorgen um das Wohl ihres Kindes, und die Kinder kämpfen mit gegensätzlichen Erwartungen und Vorstellungen zweier unterschiedleicher Kulturen. Hasan und Mukaddes Töre, die aus der Türkei stammen und seit 27 Jahren verheiratet sind, Djourou Diallo, der in Mali geboren wurde, und Cemile Ivedi, die als Seconda in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, erläutern, warum ihnen die freie Wahl von Partner bzw. Partnerin ein wichtiges Anliegen ist - auch für ihre Kinder. Schliessliche kommt mit Anu Sivaganesan eine junge Frau als Expertin zu Wort, die arrangierte und Zwangsheiraten auch aus ihrer tamilischen Herkunftskultur kennt und die sich dafür engagiert, Zwangsheirat und Zwangsehe zu verhindern.
Den Trailer zum Film "Nicht verliebt und trotzdem verheiratet?" können Sie hier anschauen. Der Film kann anhand des Bestellscheins "Informationsmaterial" bei uns bestellt werden. Filmsprache ist Deutsch.
Für die Eltern und das familiäre Umfeld von potenziell betroffenen Jugendlichen stellten wir eine Informationsveranstaltung für Eltern zum breiten Thema „Freundschaft – Liebe – Ehe! Heiratet mein Kind den Richtigen?“ zusammen. Der Film dient dabei als thematischer Einstieg und der Inhalt erstreckt sich vom „Leben in zwei Kulturen“ bis hin zur Partnerwahl, wobei die Ehe in der Schweiz thematisiert und über die rechtliche Lage aufgeklärt wird.
Informationsveranstaltung für Eltern
Des Weiteren führen wir den neuen Film in verschiedenen Jugendzentren vor, um danach mit den Jugendlichen über das Thema zu diskutieren. Dabei arbeiten wir eng mit den Jugendsozialarbeitern in den Jugendtreffs zusammen um die Veranstaltung der Zielgruppe anzupassen. Um die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sich bewegen, waren wir zudem im September 2011 am zweitägigen Jugendkulturfestival in Basel zusammen mit der Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt HALT GEWALT Basel-Stadt mit einem Informationsstand präsent.
Im Rahmen von Femmes Tische werden wir ausserdem Gespräche über das Thema anregen: 6-8 Frauen diskutieren in einem infomellen Rahmen über Themen, die ihr Leben betreffen. Die von ausgebildeten Moderatorinnen angeleiteten Treffen ermöglichen Gespräche über die Partnerwahl der Kinder und durch den Austausch von den Vorstellungen von Heirat können andere Perspektiven kennen gelernt werden. Es ist auch geplant, solche Diskussionsrunden in Männergruppen anzuleiten.

